Windelfrei

… warum Windelfrei?
Um das "Normale" wieder alltäglich zu machen, ist es nötig, das Wissen auch an jene weiterzugeben, die mit (werdenden) Müttern arbeiten. Aber warum sollte das notwendig sein?

Windelfreie Babys - was steckt hinter der Idee?
"TopfFit" oder "Windelfrei": Viele Eltern haben davon schon gehört, aber wie soll das gehen? Das Konzept lässt sich stressfrei an jeden Familienalltag anpassen und sogar mit Windeln durchführen. Baby und Eltern profitieren langfristig von vielen Vorteilen.

Viele Eltern kennen diese Situation auf dem Wickeltisch: Sie ziehen ihrem Säugling die Windeln aus und prompt fängt er an, sich zu entleeren. Dieser Effekt ist die Grundlage von Windelfrei. Wer seinen Windelverbrauch reduzieren möchte, ändert dafür einfach nur die klassische Reihenfolge. Statt zu warten, bis sich das Kind in die Windel entleert hat und dann frisch zu wickeln, drehen Windelfrei-Eltern den Prozess um: Wenn sie wissen, dass jetzt etwas kommt, ziehen sie ihr Baby ganz ruhig aus, halten es ab und ziehen ihm dann ggf. die trockene Stoff- oder Wegwerfwindel wieder an. Der Aufwand bleibt gleich, nur der Müllberg ist kleiner! 

Windelfrei - so gehts!
Zu wissen, wann ein Baby mal muss, ist eine alte Kunst, die sich schnell erlernen lässt. Babys zeigen von Geburt an sehr deutlich, wenn "es" soweit ist: Sie grimassieren, stöhnen, weinen oder strampeln, wollen aus dem Tragetuch heraus oder stillen unruhig. Eltern lernen diese Zeichen zu lesen, ebenso wie sie wissen, ob ihr Kleines Hunger hat oder müde ist. Doch auch wer keine Aufmerksamkeit für diese Zeichen hat, kann sein Baby einfach nach jedem Schläfchen über ein Töpfchen halten und hat damit schon ein Gutteil der kleinen Geschäfte erledigt.

Windelfrei, Teilzeit-Windelfrei - jedem das Seine
In manchen Kulturen beginnen die Eltern mit dem Abhalten von Geburt an, in anderen erst mit zwei oder sechs Monaten. Am besten fängt man an, wenn es sich richtig anfühlt. Die ersten vier bis sechs Monate eignen sich vor allem deshalb sehr gut, weil die Kinder in dieser Zeit sehr deutlich signalisieren und man sowieso ständig drauf achtet, was der Säugling gerade braucht.
Viele Eltern nutzen parallel zum Abhalten Windeln, wenn sie unterwegs sind oder kein Raum ist, um auf die Signale des Kindes zu achten. Auch die Kinder haben manchmal besseres zu tun, als zu signalisieren oder sich abhalten zu lassen, wenn sie z.B. gerade Krabbeln oder Laufen lernen.

Kommunikation und Intuition
Ebenso wie Babys ersten Worte undeutlich sind oder das Kind bei den ersten Gehversuchen auch mal hinfällt, ist beim Windelfrei eine Reihe nasser Hosen oder Windeln völlig normal. Was hier zählt, ist nicht Perfektion, sondern der Prozess. Windelfrei führt dazu, dass die Kinder ihr Körperbewusstsein behalten für das was "da unten passiert" - und damit erübrigt sich das sonst übliche spätere Sauberkeitstraining, das Vollzeit-Windel-Kindern dies immer häufiger erst wieder mühsam antrainieren muss.
Windeldermatitis, Ausschläge, Wundsein - alles für Windelfrei-Kinder kein Thema, denn an den Po kommt viel Luft beim Abhalten. Schon nach wenigen Wochen landet zudem das große Geschäft kaum mehr in der Windel, da die meisten windelfrei-Kinder dies zuverlässig ansagen. 

Bindungs- und Kommunikationsförderung

Das Baby erfährt, dass das, was es empfindet, wahrgenommen und reflektiert wird, dass es eine Antwort auf das bekommt, was es aussendet – und zwar in allen Bereichen. Sehr viele Eltern berichten, dass sie Windelfrei als große Bereicherung empfinden: Schon winzig kleine Babys zeigen eine Zunahme an Selbstsicherheit und Kommunikationsfreude in dem Moment, in dem auf ihre Signale eingegangen wird.

Beziehungsmesser

Das Leben ohne Windeln ist, besonders bei Babys, die noch nicht mobil sind, ein hervorragender Indikator, ob Mutter/Vater/Betreuer und Kind gut aufeinander eingestellt sind und ob es beiden gut geht.

Positives Körpergefühl
Kein Erwachsener würde freiwillig in seinen Exkrementen sitzen. Bei alten Menschen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können, reagiert (Gott sei Dank!) jeder empört, wenn sich um ihre Hygiene niemand kümmert.

Unseren Babys aber wird genau dasselbe tagtäglich millionenfach zugemutet.
Viele Tiere bringen ihren Jungen bei ihre Exkremente an einem entfernten Platz abzulegen.
Nur wir Menschen meinen, dass es unsere Kinder nicht stört, wenn sie im „Dreck“ sitzen müssen und trainieren ihnen an, den Widerstand dagegen aufzugeben.
Windelnutzung ist antrainiert.

Gesundheit
Positive gesundheitliche Auswirkungen von Windelfrei:
  • wesentlich weniger Windelausschlag
  • Wundsein nur in seltenen Ausnahmefällen
  • weniger Koliken
  • regelmäßiger Stuhlgang.

Auch beobachtet wurden:

  • Abheilung starker Nabelbrüche
  • einfaches Feststellen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Früheres Sauberwerden
Durchschnittlich (!) sind windelfreie Babys früher sauber, in der Regel spätestens um den 2. Geburtstag herum. Natürlich gibt es hier immer individuelle Abweichungen nach oben und unten.

Das jüngste “westliche” Baby, von dem wir wissen, war mit 10 Monaten tags und nachts zuverlässig trocken und sauber (siehe auch Boucke: TopfFit!).
Umweltschutz
Im Jahr 1996 ging die Verbraucherzentrale Berlin ging im Jahr von 6000 Windeln pro Kind bis zum Erreichen des Sauberwerdens aus. 6000 Windeln, von denen jede einzelne 400 bis 500 Jahre braucht um zu verrotten. Die wir unseren Kindern vererben. Die durch Plastik und Bakterien die Umwelt belasten.

Selbst bei Teilzeit-Windelfrei oder der ausschließlich nächtlichen Nutzung von Wegwerfwindeln kann schon eine Menge Müll eingespart werden.
Flexibilität
Hat man erst einmal den – zugegeben herausfordernden – gedanklichen Sprung dahingehend geschafft, dass die Windelfreiheit selbstverständlich geworden ist, wird man im Alltag ohne Abhängigkeit von Windeln tatsächlich freier und unabhängiger. Kein Windelgeschleppe in den Ferien, bei Ausflügen keine Windeltasche samt ihrem gesamten industriellen Inhalt, keine Suche nach dem Wickelraum.

Geldersparnis
Ausgehend von 5475 Windeln, verbraucht eine Familie pro Kind ca. 800 bis 1000 Euro für Windeln. Gehen wir von 10000 Windeln aus, werden es sogar um 1500 Euro. Dafür kann man ziemlich viele Töpfchen, Trainingshöschen und Leggings kaufen. Oder neue Pullover für Mama. Oder es einem guten Zweck spenden.
Nicht mit eingerechnet sind dabei der unnötige Wickeltisch, die entfallenden Feuchttücher, Puder, Wundcremes, Wickeltasche usw.

Wer die Windel hat, hat die Wahl
Windelfrei kann vor allem in Familien eine große Hilfe sein, bei denen Babys sich von Anfang an oder später gegen das Wickeln wehren. Auch wenn Babys schnell wund werden, allergisch reagieren etc. ist es oft die letzte Rettung. In anderen Familien ist Bettnässen ein bekanntes Problem. Hier wirkt es vorbeugend, von Anfang an das Körperbewusstsein eines Babys aufrecht zu erhalten. Es gilt wie immer: Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders und am besten findet und erfindet jede Familie die Variante, die zu ihr passt.

Schönes und Nützliches für Windelfrei Babys gibt es bei Sabine von der Windelkiste www.windelkiste.at

Ich freue mich, dir in meinen Workshops oder einer Einzelberatung zur Seite stehen zu können.